Wie betrifft die Plastikver-schmutzung
unsere
Gesundheit?

Das Problem mit dem Plastikmüll ist keine Herausforderung, die nur unsere Umwelt betrifft. Wir schaden und gefährden damit auch uns selbst. Mal ist das ersichtlich, mal weniger. Eines steht fest: Plastik findet seine Wege in unsere Körper und das ist unnatürlich. Genau genommen begleitet es uns alltäglich, über unsere Nahrungsmittel, Kleidungen, Hygieneartikel, usw. Wir ernten gewissermaßen, was wir sähen.

Plastik findet uns nicht nur im Essen

Plastik-Partikel nehmen wir über die verschiedensten Wege auf: Kontaminiertes Essen, zum Beispiel über Muscheln oderkleinere Fische, es wurde aber auch schon in Zucker, Salz oder Bier nachgewiesen. Neben dem Essen stellen Trinkwasser und Luft, zum Beispiel durch Reifenabrieb oder synthetische Fasern, weitere Aufnahmequellen dar. Laut einer Studie des WWF nimmt allein durch Wasser jede Person im Schnitt 1.769 Plastik-Partikel pro Woche auf.

Die Aufnahme erfolgt hauptsächlich oral oder über Inhalation. Durchschnittlich enthalten Plastikprodukte, die wir konsumieren rund sieben Prozent weiterer Zusatzstoffe wie Weichmacher, Stabilisatoren, Flammschutzmittel oder Füllstoffe – viele davon sind gesundheitsschädlich. Sie sind im Plastik meist nicht fest gebunden, entweichen mit der Zeit und reichern sich durch Innenraumluft und Hausstaub direkt in unseren Schlaf-, Wohn- und Kinderzimmern an.

Das große Unbekannte in unserem Körper

Welche Auswirkungen die Aufnahme von Plastik auf unser Immunsystem und unsere Gesundheit hat, ist noch nicht eindeutig erwiesen. Verschiedene Herangehensweisen von Studien und unterschiedlichste Arten von Plastik machen es Experten noch sehr schwer, ein einheitliches Ergebnis zu erzielen.

Fest steht: Es ist in unserem Körper und das wiederum ist unnatürlich. Auf der ganzen Welt wird bereits mit Hochdruck geforscht. Sämtliche Forschungsgruppen und auch die WHO zeigen große Besorgnis hinsichtlich der Exposition und Auswirkung von Mikro- und Nanoplastik auf die menschliche Gesundheit. In den kommenden Jahren werden sich Wissenschaftler vermehrt damit auseinandersetzen müssen, welche kurz- und langfristigen Schäden wir von Plastik tragen und wie diese im Detail aussehen.

Kleidung: Das alltägliche Plastik-Problem

Insgesamt machen Textilien rund 15% der weltweiten Produktion von Kunststoff pro Jahr aus und ca.  ein Drittel  des Mikroplastikvorkommens in unseren Meeren führt auf das Waschen von Kleidung zurück. Das macht die Textilfasern zu einer der größten Stoffgruppen in Sachen Meeresverschmutzung.

Wie es dazu kommt? Synthetische Fasern, die in einer Waschmaschine gewaschen werden, sind anschließend immer auch ein bisschen leichter. Das bedeutet, dass sich jedes Mal winzige Partikel der Textilfasern lösen und schließlich als Mikroplastik in Meeren und Flüssen landen. Viele Kläranlagen können Mikroplastik nicht oder nur ungenügend aus dem Wasser filtern.

Polyester – praktisch, aber problematisch

Bis zu 70 Prozent unserer Kleidung besteht nicht aus Naturfasern wie Baumwolle oder Seide, sondern aus Polyester. Dessen Kunstfasern trocknen schnell und passen sich dem Körper gut an. Aber: Bei jedem Waschgang verliert die Kleidung Fasern in Form von Mikroplastik: so schätzt eine Studie aus dem Jahr 2018 den Faserabrieb bei der Textilwäsche in Deutschland auf ca. 77 Gramm pro Person, jährlich.

Aktuell wird davon ausgegangen, dass sich beim ersten Waschgang eines neuen Kleidungsstücks die meisten Fasern lösen. Bei rauen Oberflächen reiben sich Fasern leichter ab. Hinzuzählen müssen wir noch Flusen aus der Umgebung, die an unserer Kleidung hängen bleiben.

Chemikalien gefährden die Gesundheit

Doch nicht nur Waschgänge sind problematisch. Zwischen 20.000 und 40.000 verschiedene Chemikalien werden laut Plastikatlas 2019 zur Behandlung und Färbung von Kleidung verwendet. Einige davon sind krebserregend, mutagen und reproduktionstoxisch.

Arbeitskräfte, zu 70% Frauen, die zum Beispiel mit bestimmten Chemikalien, Flammschutzmitteln sowie Farb- und anderen Zusatzstoffen in Berührung kommen, haben ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten. Auch eine Verbindung zwischen Formaldehyd und Todesfällen durch Leukämie konnte nachgewiesen werden.

Unsere Hygiene: Plastik hat zwei Gesichter

Plastik ist nicht der Teufel. Im Bereich unserer Hygiene ist es in vielen Bereichen von Vorteil und in der Medizin ohnehin unverzichtbar. Leider ist es nur so, dass aus der Produktion diverser Plastikprodukte eben einige Hygiene- oder gesundheitliche Probleme resultieren.

Von Wimperntusche (hier sind die Inhaltsstoffe sogar selbst synthetisch) und Lidschatten über Lippenstifte bis hin zu Deodorants, Rasierschaum oder Sonnencremes. Plastikpartikel sind in unseren Badezimmern allgegenwärtig. Die dazugehörige Verpackung haben wir hier noch nicht einmal hinzugerechnet. Dabei stellt erst Verpackungsmüll selbst den größten Anteil aller Plastikabfälle.
*(Quelle Foto: Ocean. Now! / Foto: Saskia Uppenkamp)

Hier und dort und überall

In Flüssigwaschmitteln befinden sich Kunststoffteilchen, wie z.B. Polyethylen (PE). Dieser Stoff ist sehr kostengünstig und kann vielfach eingesetzt werden.  So gehört PE aufgrund seiner vorteilhaften Eigenschaften neben Polypropylen (PP) oder Polyethylenterephthalat (PET) auch zu den am häufigsten eingesetzten Kunststoffen

Gleiches gilt für Shampoos, Duschgele oder Cremes, als Filmbilder oder Bindemittel. Auch in Peelings kommt der Stoff vor, da sich die kleinen Partikel als Schleifmittel eignen, um alte Hautschüppchen herunter zu reiben. Putzlappen und Schwämme bestehen zudem aus hochentwickelten Plastikfasern. Bei Nutzung lösen sich kleine Partikel ab, die anschließend im Abwasser landen.

Wir machen uns selbst krank

Im privaten Haushalt verwenden wir die meisten Verpackungen einmalig und auch diverse Produkte höchstens ein paar Monate lang. Durch unseren übermäßigen/unverhältnismäßigen Konsum wird Müll immer schneller produziert. Und Verpackungsmüll stellt dabei mit Abstand den größten Anteil aller Kunststoffabfälle.

Laut Schätzungen wurden nicht einmal zehn Prozent des jemals produzierten Kunststoffes recycelt.

Was wir dabei häufig vergessen, sind die Gesundheitsrisiken, denen Menschen ausgesetzt sind, die mit unser aller Abfall täglich konfrontiert sind. Menschen, die auf z.B. nicht ordnungsgemäßen Mülldeponien arbeiten oder in der Nähe von brennenden Mülldeponien leben.  Die von durch Müll oder Chemikalien verschmutztes  Wasser abhängig sind.

Abfallmanagement: Fallbeispiel Mücken

Schlechte Abfallbewirtschaftung steigert das Krankheitsrisiko auch durch andere Punkte, bei denen man keinen direkten Zusammenhang vermutet. Mücken haben ihre Brutstätten in stehenden oder langsam fließenden Gewässern. Und diese gibt es auch dort, wo man nicht sofort dran denkt. Auf Schrottplätzen. Zum Beispiel dort, wo sich Regenwasser sammeln kann. Offene Behälter, verstopfte Entwässerungsgräben, Reifen, Dosen, Flaschen, usw. Laut WHO gehört Malaria zu den fünf häufigsten Todesursachen von unter 5-Jährigen.

Doch dies ist keinesfalls ein Problem, das nur in tropischen Regionen oder Afrika auftaucht. Wir sollten die Witterungs- und Temperaturveränderungen nicht unterschätzen, die der Klimawandel in Zukunft auch in Europa mit sich bringen wird.