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Happy Plastic Meal? Wie das Plastik ins Fast Food kam

Plastik im Essen schadet unserem Körper. Lange war unklar, welche Lebensmittel betroffen sind. Nun zeigt eine Studie: Fast Food mit Weichmachern ist an fast jeder Ecke zu finden.

Jetzt also auch noch das Plastik! McDonald’s, Burger King, Pizza Hut: Sie alle sind betroffen. Nicht, dass die großen Fast-Food-Ketten mit ihrer ohnehin gehaltlosen Nahrung einen Ruf zu verteidigen hätten. Immerhin wissen die meisten Menschen, dass das Fast Food der großen amerikanischen Ketten ungesund ist. Doch Kunststoffe waren dabei nur selten ein Thema. Plastik – oder vielmehr Chemikalien wie Weichmacher, die zum Beispiel Plastikverpackungen beigemischt sind – wird immer wieder in Mikrogrammmengen in Nahrungsmitteln vermutet und nachgewiesen. Klingt nach wenig, ist laut den Wissenschaftler:innen einer jüngst veröffentlichen Studie aber ausreichend, um dem Menschen auf vielfältige Weise zu schaden – und das häufiger als lange angenommen.

Vergangene Woche veröffentlichten Forscher:innen der George-Washington-University eine Studie in dem renommierten Magazin Nature, in der sie bestätigten, dass sie viel zu häufig kleine Mengen von Phthalaten in Proben von Lebensmitteln aus Geschäften der gängigen Fast-Food-Ketten gefunden haben. Für ihre Untersuchung kaufte das Team rund um die Professorin Ami Zota 64 Fast-Food-Produkte von McDonald’s, Burger King, Pizza Hut, Domino’s sowie der hauptsächlich in Amerika verbreiteten Tex-Mex-Ketten Taco Bell und Chipotle.

Industrie setzt auf Weichmacher

Für die Kunststoffindustrie haben Weichmacher unverzichtbare Vorteile. Sie machen Materialien dehnbar, flexibler oder geschmeidiger. Doch die Nachteile sind ebenso groß. Phthalate werden immer wieder mit gesundheitlichen Gefahren in Verbindung gebracht, darunter Störungen des Hormonsystems, Fruchtbarkeits- und Fortpflanzungsprobleme sowie ein erhöhtes Risiko für Lern-, Aufmerksamkeits- und Verhaltensstörungen bei Kindern. Fast-Food-Produkte werden industriell verarbeitet und verpackt, wodurch das Risiko steigt, mit Phthalaten und anderen Weichmachern in Kontakt zu kommen.

Weich und gummihaft sind sie ja schon. Nun wurde in Fast-Food-Burgern auch noch Weichmacher nachgewiesen. Okay, weicher macht sie das nicht – dafür aber noch ungesünder. | Copyright by Ashley Green on Unsplash.

Aufsehen erregt hat die Studie vor allem in den USA. Die amerikanische Gesundheitsbehörde, die Food and Drug Administration, hat angekündigt, die Fälle genauer zu untersuchen. Und die Fast-Food-Ketten? Halten sich als einzige bedeckt. Als Journalisten der amerikanischen Zeitung Washington Post die Restaurantketten mit den Studienergebnissen konfrontierten, antworteten sie: gar nicht. Bis heute.

Einzig die amerikanische Restaurantvereinigung startete den milden Versuch einer Verteidigung. Natürlich arbeiteten alle Lieferanten eng zusammen, um solche Verunreinigungen zu verhindern, erklärte Larry Lynch, Senior-Vizepräsident für Wissenschaft und Industrie der Restaurantvereinigung. „Doch die Lebensmittel- und Lieferketten in der Gastronomie sind lang, und es gibt viele Stellen in dieser Kette, an denen Lebensmittel mit Kunststoffen und Verpackungen in Berührung kommen.“

Fleisch am stärksten betroffen

Das vermuten auch die Forscher:innen. Die Hauptautor der Studie, Lariah Edwards, nimmt an, dass sich die Phthalate über die gesamte Lieferkette hinweg in dem Produkt ansammeln, weil fast alle an der Lieferkette beteiligten Akteure Chemikalien mit Weichmachern verwendeten. Auffällig ist dabei vor allem, dass fleischhaltige Produkte wie Cheeseburger die höchsten Phthalatwerte aufwiesen. Käsepizzen und Pommes frites waren hingegen am niedrigsten belastet.

Was das für uns Verbraucher:innen bedeutet? Zunächst einmal, dass sich nichts an der ohnehin schon bekannten Tatsache ändert: Fast Food ist so ungesund, dass es bedrohlich werden kann. Es wird nun die Aufgabe von Politik und NGO-Aufklärungsarbeit sein, dass sich in den Lieferketten der Fast-Food-Ketten etwas ändert. Und es heißt: am besten zu Hause kochen. Das bestätigt übrigens auch eine weitere Studie, bzw. die an der Studie beteiligte Wissenschaftlerin Ami R. Zota: darin wies sie mit Ihren Kolleginnen und Kollegen nach, dass Menschen, die häufig zu Hause kochen, geringere Mengen dieser Chemikalien in ihrem Körper haben – wahrscheinlich, weil sie zu Hause keine Handschuhe für die Handhabung von Lebensmitteln und nicht so viele Plastikverpackungen verwenden.

Copyright des Beitragbild bei Szabo Viktor von Unsplash.