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Die Plastik-Pandemie nimmt gerade erst Fahrt auf

Das Schlimmste der Corona-Pandemie scheint überstanden. Doch erst jetzt werden die Kollateralschäden offensichtlich: zum Beispiel beim Plastik. Der Verbrauch und damit die Verschmutzung sind dramatisch gestiegen.

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Vielleicht erinnert ihr euch noch an diese schönen Bilder türkisblauen und kristallklaren Wassers. In Venedig zum Beispiel. Das Wasser war so klar, dass man mancherorts den Grund erkennen konnte, sogar Delfine kehrten eine kurze Zeitlang zurück. Im April 2020 war das, wenige Wochen nach Beginn der Corona-Pandemie. Auch wir freuten uns über diesen kleinen Lichtblick der Pandemie – allerdings nur kurz, wie sich dann herausstellen sollte.

Denn heute sieht das Wasser Venedig wieder so aus wie vorher, der Massentourismus ist zurückgekehrt. Und Venedig steht stellvertretend für die besorgniserregende Entwicklung auf der ganzen Welt. Viele Menschen hofften, dass die Pandemie eine Kehrtwende in Gang gesetzt hat. Das Gegenteil ist der Fall. Hinter den Kulissen nahm und nimmt die Verschmutzung stetig zu. Tatsächlich hat die Corona-Pandemie für einen Anstieg des Plastikverbrauchs um etwa zehn Prozent weltweit gesorgt.

In China zum Beispiel entstehen aktuell pro Tag 240 Tonnen Kunststoffabfall – vor der Pandemie waren es „nur“ 40 Tonnen. In Deutschland macht sich das an vielen Stellen bemerkbar. Müllabfuhren müssen plötzlich viel mehr Plastikmüll abholen, unter anderem weil viele Menschen nicht mehr ins Restaurant gehen konnten und stattdessen mehr in Plastik verpackte Lebensmittel einkaufen oder Essen nach Hause bestellen.

 

Die größte, neu hinzugekommene Plastikquelle sind aber jene Produkte, die seit mehr als einem Jahr Teil unseres Alltags geworden sind: Masken, Einmalhandschuhe und andere kurzlebige Medizinprodukte – und sie sind es auch, die eine der größten Rollen bei der zusätzlichen Plastikverschmutzung in Flüssen und Meeren spielen. Zwar stieg die Plastikverschmutzung in Meeren auch schon vor der Pandemie an: Laut einem Bericht der Weltnaturschutzunion fließen nach einer jährlich etwa 230.000 Tonnen Plastik allein ins Mittelmeer, was pro Tag dem Inhalt von mehr als 500 Frachtcontainern entspricht. Doch das hinzukommende „Pandemieplastik“ wird die Situation verschärfen, wie eine niederländische Studie vor kurzem anschaulich darlegte.

Darin untersuchten die Wissenschaftler:innen nicht nur, wie sich der erhöhte Plastikverbrauch auf unsere Ozeane auswirkt, sondern werteten auch Bilder unter anderem von Meerestieren aus, die durch Corona-Plastikprodukte starben, etwa Masken, in denen sie sich verhedderten. Asiatische Meeresschützer:innnen gehen davon aus, dass im vergangenen Jahr mehr als 1,5 Milliarden Masken in unseren Meeren gelandet sind.

Immerhin: Es gibt auch gute Nachrichten. Vor kurzem hat die Europäische Union Einwegplastikartikel verboten. Darunter fallen zum Beispiel Trinkhalme, Einweggeschirr oder bestimmte Trinkbecher. Lagerbestände dürfen Restaurants und andere Betriebe allerdings aufbrauchen. Auf lange Sicht ist ein Mehrwegsystem sinnvoller als ein Verbot, denn sonst wird das Plastik häufig durch Papier oder Aluminium ersetzt, was ebenfalls viele Ressourcen verbraucht und umweltschädlich sein kann. Dennoch: Wir sind überzeugt, dass das neue Gesetz ein erster wichtiger Schritt ist – dem hoffentlich bald schon weitere im Sinne einer Kreislaufwirtschaft folgen.