Zurück zu Blog

Cleanup Mission: Slowakei 2021 – ein wichtiges Wiedersehen!

Im vergangenen Oktober arbeitete unser Müllsammelboot CollectiX zum zweiten Mal am Ružín-Damm. Es war wichtig, dort erneut Müll aus dem Wasser zu holen. Für einen nachhaltigen Wandel müssen aber deutsche Unternehmen mehr Verantwortung übernehmen.

Nun ist es schon einige Wochen her, dass wir in der Slowakei mit unserem Müllsammelboot CollectiX am Ružín-Damm aufgeräumt haben. Unser Ziel war klar: die Schönheit der Region zurückgewinnen und eine stetige Veränderung sichtbar machen. Das ist uns auch gelungen, wie unsere Vorher-Nachher-Bilder zeigen. Wir konnten sogar weit über unseren ersten Erfolg 2020 hinausgehen und mehr als 72 Tausend Kilogramm Müll sammeln – denn anders als bei unserer ersten Cleanup Mission am Ružín Damm waren wir dieses Mal keine drei Tage, sondern sechs Wochen vor Ort. Genug Zeit, um den kompletten Damm aufzuräumen, ohne auch nur eine sichtbare Plastikflasche im Wasser zurück zu lassen.

Möglich gemacht hat das vor allem unsere Partnerschaft mit Mastercard, durch die der Einsatz gesponsert und unterstützt werden konnte. Wir konnten durcharbeiten, bis auch das letzte Kilogramm Müll auf dem Laufband unseres CollectiX lag. Und das war für den Erfolg unserer Slowakei-Mission entscheidend, denn schon bei der ersten Cleanup Mission wussten wir, dass der See noch nicht sauber ist und Müll nachkommen würde.

Länger Aufräumen heißt aber auch: mehr Organisation, auf mehr Unvorhersehbarkeiten gefasst sein. Denn davon gab es eine Menge – gleich zu Beginn der Mission etwa war der Wasserstand deutlich niedriger als erwartet.

Wie wir auf solche Umstände reagieren, welche Rolle wir als deutsches Unternehmen und die deutsche Industrie generell spielen und weshalb wir nicht zum letzten Mal am Ružín-Damm gewesen sein werden, erzählt Inga Hilbig in unserem „Drei-Fragen-Interview“. Inga ist Marketingmanagerin und ist Teil des Teams, dass die Mission organisiert und betreut hat.

Inga ist Marketingmanagerin bei everwave und hat die zweite Slowakei-Mission von unserem Büro in Deutschland aus organisiert.

  • Liebe Inga, nun sind wir zum zweiten Mal am Ružín-Damm gewesen. Wie geht es weiter?

Wir wissen von unseren Partnern vor Ort – das sind die Wasserschutzbehörde SVP und die NGO Precious Plastic – dass gerade im Frühjahr nach der Schneeschmelze wieder viel Müll angeschwemmt wird. Damit unsere Arbeit nicht nur vorübergehend erfolgreich war, schauen wir wie wir eine langfristige Lösung vor Ort etabliert bekommen. Das Wichtigste ist aber, dass unsere langfristigen Maßnahmen ihre Wirkung zeigen, die wir mit unseren lokalen Partnern vor Ort ergreifen. Dazu zählt, über verschiedene Medien ein Bewusstsein für den Umgang mit Plastik und die Eintragswege zu schaffen. Neben den Medien spielt die Politik darin eine entscheidende Rolle. Schön ist, dass die slowakische Politik jüngst eine PET-Steuer eingeführt hat. Das wird die Lage am Ružín-Damm nicht unmittelbar verbessern, zeigt aber, dass es vorangeht. In diesem Jahr werden wir auch mit Politikerinnen und Politikern Gespräche führen, wie sich die Situation langfristig verbessern lässt.

  • Welche Bedeutung haben wir als deutsches Unternehmen in diesem Prozess? Immer mehr Unternehmen nehmen ja die Rolle des „Retters aus dem Westen“ ein.

Diese Frage müssen wir uns auf jeder Mission neu stellen. Am Ruzin-Damm haben wir, wie bei all unseren Missions, viel Wert darauf gelegt, schon lange vor dem eigentlichen Einsatz mit lokalen Partnern zusammenzuarbeiten. Der Müll wird am Ende in lokalen Recyclinghöfe verarbeitet, und auch unser Boot wird langfristig von slowakischen Arbeiterinnen und Arbeitern betrieben. Es geht um eine gemeinsame, strukturelle Veränderung – und wie die aussieht, wissen die Menschen vor Ort am besten. Wir geben in diesem Prozess den ersten Anstoß mit unserer Clean-Up-Technologie, aber treten niemals mit erhobenem Zeigefinger auf und spielen uns nicht als Helden auf.

  • Dennoch betonst Du immer wieder, dass deutsche Unternehmen Verantwortung übernehmen müssen. Was meinst du damit?

Nun, Plastikmüll macht eben an keiner Grenze halt. Ein Teil des Mülls, den wir im europäischen Ausland finden, stammt aus Deutschland. Gerade am Ružín-Damm haben wir lauter Plastikverpackungen deutscher Produkte gefunden: Duschgel von DM, Haarspray von Nivea und Margarinebehälter von Rama sind nur drei Beispiele. Ob sie von weither über Flüsse und Bäche hierher gelangen oder deutsche Firmen ihre Produkte ohnehin lokal verkaufen und somit der Weg in Umwelt noch kürzer ist, können wir noch nicht abschließend beurteilen. Klar wird aber – und das führen unsere Einsätze uns immer wieder vor Augen – dass deutsche Unternehmen eine Verantwortung haben, diesen Müll wieder zu beseitigen und in Zukunft zu verhindern.

  • Vielen Dank für das Interview, Inga!