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„Überraschungen gehören bei einer Cleanup Mission einfach dazu“

everwave bereitet sich mit Hochtouren auf die kommende Cleanup Mission in Kambodscha vor. Jan Klosterhalfen begleitet den Einsatz und ist bereits in die Planung einer weiteren Mission involviert. Wir haben mit ihm über die Herausforderungen gesprochen.

Das Jahr 2022 beginnt für everwave vor allem mit jeder Menge Organisation, denn es stehen gleich mehrere wichtige Projekte auf dem Plan. Wie wir über unsere Kanäle bereits berichtet haben, befindet sich unser Müllsammelboot auf dem Seeweg nach Kambodscha. Schon bald starten wir dort unsere erste Cleanup Mission in Südostasien – generell unser erster Einsatz außerhalb von Europa.

Aufgrund mangelnder Recycling-Strukturen und Missmanagement in der lokalen Abfallwirtschaft, finden dort jährlich tausende Kilos an Müll ihren Weg in die Ozeane. Unser lokaler Partner, die NGO „River Ocean Cleanup“, macht schon seit Jahren auf die Verschmutzung in der Region aufmerksam. Unser gemeinsames Ziel wird es sein, so viel Müll wie möglich aus den Flüssen Mekong, Bassac und Tonle Sap zu holen. Doch nicht nur dort werden wir künftig arbeiten. Zu unserer Freude wird es ebenso ein Wiedersehen mit der Balkan-Region geben, genauer gesagt in Bosnien und Herzegowina.

Jan Klosterhalten, unser Project Engineer, konnte vergangenes Jahr einige unserer Einsätze begleiten und ist auch in diesem Jahr in die Planung und Durchführung der Einsätze in Kambodscha und Bosnien involviert. In einem Kurzinterview schildert er uns seine Eindrücke und erzählt außerdem, welchen unterschiedlichen Herausforderungen sich das Team vor Ort stellen muss.

Jan ist Project Engineer bei everwave und hat bereits einige Cleanup Missions begleitet. Auch in die Planung unseres Einsatzes in Kambodscha ist er involviert.

Hi Jan, Du hast ja nun schon einige unserer Cleanup Missions begleitet und mit organisiert. Was sind Deiner Erfahrung nach die wichtigsten Faktoren, die es bei einer solchen Planung zu beachten gilt?

Ich durfte einige Einsätze vor allem in der Balkan-Region begleiten. Dabei hat sich für mich immer abgezeichnet, dass ein starker Partner vor Ort immens wichtig ist. Da wir die lokale Infrastruktur nutzen und unterstützen wollen hilft es sehr, wenn wir einen Kontakt haben, der die Landessprache und die generellen Abläufe kennt. So können wir unsere Vorstellung der Cleanup Mission mit den lokal vorhandenen Rahmenbedingungen einfacher abstimmen, anpassen und den Einsatz möglichst reibungslos durchführen.

Bald geht es für everwave zum allerersten Mal nach Südostasien, genauer gesagt nach Phnom Penh in Kambodscha. Du warst bereits vor Ort, beschäftigst Dich mittlerweile sogar schon mit dem nächsten Einsatz in Bosnien-Herzegowina. Zwei sehr unterschiedliche Standorte – wo liegen aus Deiner Sicht die signifikanten Unterschiede?

Die Unterschiede zwischen Kambodscha und Bosnien-Herzegowina liegen in meinen Augen vor allem bei den Gegebenheiten der Einsatzorte. In Kambodscha arbeiten wir in der Stadt, auf drei Flüssen und das Klima zeichnet sich durch Regen- und Trockenzeit aus. Mit dem Müllsammelboot bei hohen Temperaturen zu arbeiten und der schwankende Wasserspiegel vor Ort ist auch für mich neu. Im Balkan haben wir bisher primär auf Stauseen gearbeitet. Dort sind die Bedingungen sehr gleichmäßig. Aber auch die Zusammensetzung des Mülls ist anders, während wir im Balkan viel Holz bis hin zu großen Baumstämmen vorfinden, treffen wir in Kambodscha mehr Plastik und weniger organisches Material an.

Das Schöne am Planen und Organisieren ist: es läuft selten so, wie gedacht. Welche „Überraschungen“ hast Du bei Einsatzplänen schon erleben dürfen und wie konnte darauf reagiert werden?

Das gehört einfach dazu. Da wir versuchen das Material nicht nur aus den Gewässern zu holen, sondern auch Daten zu sammeln und das Material zu recyceln, steigt die Anzahl an Kleinigkeiten, die einen überraschen können immer wieder. Ein Beispiel aus der Slowakei, wo wir Ende 2021 im Einsatz waren: Wir kannten den Standort von unserem ersten Einsatz 2020 und der gesamte Transport zum See und das Einlassen des Bootes war schnell organisiert. Leider wurde uns dann mitgeteilt, dass sämtliche Brücken in der Region zu besagtem Zeitpunkt gesperrt waren oder repariert wurden. Eine neue Anfahrtsroute musste her und wir mussten um eine statische Bewertung einer notwendigen Brücke erbitten. Während unserer Cleanup Mission Mission in Serbien hatten wir es mit einem defekten Mobilkran zu tun. Dort setze eine kleine Feder, etwas größer als in einem Kugelschreiber, einen 70-Tonnen-Mobilkran außer Gefecht, mit dem wir das Boot kurz vorher aus dem Wasser und auf den LKW verladen hatten. Leider blockierte der Mobilkran die Ausfahrt, sodass das Boot nicht abtransportiert werden konnte. Dort half leider erstmal nur warten, bis wir es schafften den LKW durch eine enge Lücke zu führen. Mit der Zeit erwartet man solche Überraschungen und ich gehe nun etwas entspannter damit um.

Vielen Dank für die spannenden Eindrücke, Jan!